«Sich Zeit nehmen schadet nicht, man erreicht damit die besseren Ergebnisse»

27.11.2019

Ein Interview mit Ruedi Baumgartner, Partner

ZWEI: Du bist seit 2018 als Partner und Senior Expert bei ZWEI Wealth. Was hatte Dich zu diesem Wechsel bewogen?

Ruedi Baumgartner: Es waren mehrere Gründe ausschlaggebend. Zum einen befand ich mich in einer Phase der beruflichen Neuorientierung, denn die Bank, die ich geleitet hatte, war von einem Dritt-Institut übernommen worden. Zum anderen suchte ich eine neue berufliche Tätigkeit, in welcher ich selbstbestimmt handeln und agieren kann. Ich war also auf der Suche nach einer wirtschaftlichen Eigenständigkeit, die mir erlaubt, selbst über das Was, Wie und Wann zu entscheiden. Das hat gewisse Modelle per se ausgeschlossen. Das Geschäftsmodell von ZWEI Wealth gewährt diese gesuchte Flexibilität und Selbständigkeit. Kommt dazu, dass das von ZWEI Wealth entwickelte Beratungs-Modell mich vollumfänglich überzeugte und einen zusätzlichen Motivationsschub auslöste. 

 

Wie sehr hat sich Dein beruflicher Alltag nun auch tatsächlich verändert?

Die zentrale Änderung ist ganz klar die Selbstbestimmtheit, die ich heute habe. Erst im Rückblick ist mir klar geworden, welche Einschränkungen das Corporate Life mit sich brachte. Mit den erlangten Freiheiten hat sowohl mein Berufs- wie auch mein Privatleben einen enormen Mehrwert an Qualität und Freude zurückgewonnen.

 

Schauen wir mal noch aus Sicht der Kunden. Was hat sich für Deine Kunden verändert?

Die Art und Weise, wie ich mit den Kunden kommuniziere, ist eigentlich gleichgeblieben. Und trotzdem ist es ein völlig anderes Aufeinandertreffen, denn meine eigene Position hat sich verschoben, da wirklich und ausschliesslich die Kundeninteressen im Vordergrund stehen. Das entspannt und versachlicht gleichzeitig den Austausch, es entstehen bessere Entscheide und Resultate.

 

Wie würdest Du gute Vermögensverwaltung definieren?

Gute Vermögensverwaltung berücksichtigt die umfassenden Lebensumstände und die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Kunden auf einer individuellen Basis. Standardlösungen werden diesen Anforderungen nicht gerecht. Ganz grundsätzlich darf der Kunde mehr als nur Standard erwarten.

 

Inwiefern glaubst Du an die Fähigkeit von Vermögensverwaltern, besser als der Markt zu sein?

Ich glaube weder an den Hellseher noch den Magie-Manager oder die Zahlen-Zauberei. Aber ich glaube an solide Arbeit und das handwerkliche Wirken von Leuten, die das tun was sie ansagen und auch das liefern, was sie versprechen. Andere Argumente sind immer sehr verführerisch, führen aber schlussendlich nicht zum Ziel.

 

Gab es in Deiner Zeit bei ZWEI Wealth auch schon grössere Aufregungen?

In der Tat, da gibt es die amüsante Geschichte des «verschwitzten» Kundentermins. Nicht dass der Termin etwa in Vergessenheit geriet. Nein, vielmehr, dass ich und Patrick Müller zu einem wichtigen Kundentermin geladen waren. Die Aufregung war die, dass wir meinten, den zum Kundenbüro führende Bus verpasst zu haben. Woraufhin, um doch noch pünktlich zu erscheinen, wir uns bei notabene 30 Grad Aussentemperatur, in Anzug und Krawatte, auf einen 30-minütigen Fussmarsch machten, der vermeintlich verpasste Bus an uns vorbeifuhr und wir in «pflotschnasser» Verfassung vor vier makellos gekleideten Herren während 1½ Stunden präsentierten und diskutierten. Der Kunde meinte beim Abschied nur, dass er uns in Zukunft auch gerne seinen Chauffeur zur Verfügung stellen würde ......

 

Und was gibt es als besonderes Erfolgserlebnis bei ZWEI Wealth zu vermerken?

Ganz allgemein freut es mich zu sehen, dass wir in der Lage sind, unsere Beratungsdienstleistungen nicht nur bei einem Typus von Kunden anzuwenden. Es zeigt sich vielmehr ein breites Interesse von Einzelpersonen, Familien, Corporates, Family Offices, aber auch Treuhand- und Rechtsanwaltsbüros. Das stimmt mich sehr positiv und bestätigt, dass unsere Arbeit einem echten Marktbedürfnis entspricht und einen reellen Mehrwert generiert.

 

Gute Vermögensverwaltung berücksichtigt die umfassenden Lebensumstände und die unterschiedlichen Erwartungshaltungen der Kunden auf einer individuellen Basis. Standardlösungen werden diesen Anforderungen nicht gerecht. Ganz grundsätzlich darf der Kunde mehr als nur Standard erwarten.

Ruedi Baumgartner
ZWEI Wealth

 

Du hast die Tätigkeit und Funktion von Trustees, Stiftungsräte und ähnlichen Organen erwähnt. Wie erlebst Du diese Personen, die ja die Verantwortung für Vermögenswerte von Drittpersonen übernehmen?

Die rechtliche wie auch ethisch-moralische Verantwortung dieser Funktionsträger wird nach wie vor unterschätzt, das dafür erforderliche Bewusstsein ist häufig nicht ausreichend geschärft. Diese Verantwortung beinhaltet auch Fragen rund um die Vermögensverwaltung und gerade dieser Aspekt ist in vielen Fällen noch wenig reflektiert. Kommt hinzu, dass diese Verhaltensweise neu auch vom Regulator eingefordert werden wird. Es geht also darum, dass diese Körperschaften sich vermehrt mit Fragen der «Good-Governance», «Investment-Efficiency» und «Investment-Suitability» beschäftigen. Wir als ZWEI Wealth verfügen in diesen Bereichen über hochqualifizierte Kompetenzen und ein einzigartiges Know-how.

 

Zum Schluss noch ein paar Entweder-oder-Fragen:

  • Rendite oder Risiko? Ganz klar Risiko. Meines Erachtens muss Risiko immer Vorrang haben. Was ich schon als Jugendlicher beim Eishockey gelernt habe, ist auch hier gültig:  zuerst gegnerische Goals verhindern und erst dann eigene Tore schiessen. So lassen sich die Spiele einfacher gewinnen.
  • ETF oder Einzeltitel? Einzelanlagen. Als Anleger verstehe ich mich als Mitbeteiligter eines Unternehmens, dessen Mitarbeiter, Produkte und Dienstleistungen, also als Investor aus Überzeugung.
  • Apple oder Google? Apple. Wahrscheinlich eine Altersfrage, denn Apple stellt Dinge her, die fassbar und sichtbar sind.
  • Sunrise oder Swisscom? Swisscom, wie viele Menschen aus Bequemlichkeit und Gewohnheit.
  • Bier oder Wein? Wein, oder Qualität vor Quantität.
  • Kino oder Netflix? Kino – für klassische Musik gehe ich auch in die Oper und höre sie mir nicht aus der Konserve an.
  • Schnell oder genau? Genau. Exakt sein erfordert Zeit und regt zum Reflektieren an. Die Zeit dazu nehme ich gerne in Kauf, sie wird meistens durch ein besseres Ergebnis mehr als wettgemacht.